Der Bahntechnik-Konzern Bombardier will auch künftig in Deutschland Züge bauen und entwickeln. Das versicherte die Konzernspitze bereits vor dem Gespräch mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und den Ministerpräsidenten Tillich und Woidke aus Sachsen und Brandenburg. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ mit einem Bericht für Aufregung gesorgt, dass Bombardier die Schließung ganzer Standorte in Deutschland plane.

Trotzdem bleibt auch nach dem Spitzengespräch in Berlin die Stimmung in den deutschen Bombardier-Werken angespannt. Denn die Aussage, Standorte an sich erhalten zu wollen, sagt noch nichts über Verbleib und Abbau von Arbeitsplätzen aus. Diese Fragen sollen nun in weiteren Verhandlungen geklärt werden. Das Handelsblatt hatte aus internen Papieren des Unternehmens zitiert, dass in den nächsten Wochen und Monaten die „Kompetenzen der Standorte in Deutschland überprüft, neu definiert und die Stärken gebündelt“ werden sollen.

Ende Oktober erst hatte der Konzern erklärt, man werde im Zuge des Sparkurses weltweit 7.500 Stellen streichen. Davon würden bis Ende 2018 rund 5.000 Jobs in der Bahntechnik-Sparte wegfallen, die ihren weltweiten Hauptsitz in Berlin hat. Die Staatsregierungen der beiden betroffenen Bundesländer Brandenburg und Sachsen haben nun reagiert und versuchen ihrerseits, den Konzern vom Abrücken seiner Pläne zu überzeugen. Das mutet auf den ersten Blick allerdings wie ein Wettrennen um die Gunst des Unternehmens an.

Bei einem Gespräch mit der Bombardier-Führung über den geplanten Stellenabbau hat die sächsische Landesregierung Unterstützung für die Werke in Görlitz und Bautzen angeboten. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte nach einemTreffen Ende Dezember, er habe Bombardier deutlich gemacht, wie wichtig die Arbeitsplätze und Werke in Bautzen und Görlitz seien. Die Staatsregierung habe dafür Mittel der Technologieförderung angeboten. Über deren Höhe machte der sächsische Regierungschef keine Angaben.

Auch Brandenburg will für die Erhaltung des kompletten Bombardier-Standortes in Hennigsdorf (Oberhavel) kämpfen. So wurden bei einem Treffen mit der Unternehmensspitze kurz vor Weihnachten die Möglichkeiten einer Unterstützung ausgelotet. Danach sollen alle dem Land zur Verfügung stehenden Mittel für den Erhalt der Arbeitsplätze und des Standorts eingesetzt werden. Konkret wurde eine Forschungsförderung in Höhe von 3,3 Millionen Euro ins Spiel gebracht, die das Land zur Verfügung stellen könnte.