Die Gesetzeslage scheint so einfach: Steht im Vertrag nichts zu Überstunden, muss der Arbeitnehmer auch keine leisten. Es sei denn, es tritt eine echte Katastrophe ein. Und das bedeutet im Arbeitsrecht nicht etwa die drohende Insolvenz, sondern ein Feuer im Bürogebäude oder eine Flutwelle, die die Werkhalle zu überschwemmen droht. Die meisten Verträge beinhalten eine Überstunden-Pauschalklausel. Ob die gilt, ist allerdings je nach Fall sehr unterschiedlich, ebenso wie die Rechtsprechung.

Es besteht eine wichtige Beziehung zwischen der Höhe des Gehalts und der Rechtmäßigkeit von unbezahlten Überstunden. Als Überstunden zählen dabei alle Arbeitsstunden, die über das hinausgehen, was im Vertrag vereinbart und vom Vorgesetzten angeordnet wurde.

Grundsätzlich regelt das Arbeitszeitgesetz die Obergrenze für die Überstunden. Und das besagt, dass die tägliche Arbeitszeit acht Stunden nicht überschreiten darf.

Im Ausnahmefall können es an einem Arbeitstag auch zehn Stunden sein, wenn es innerhalb von sechs Monaten durchschnittlich bei acht Stunden pro Tag bleibt. Und es gilt eine Ruhezeit von elf Stunden zwischen Arbeitsende und dem nächsten Arbeitsbeginn. In der Regel ist es sinnvoll, die Arbeitszeit zu erfassen. Passiert das nicht automatisch, kann jeder Arbeitnehmer selbst aufschreiben, wann er wie viele Überstunden gemacht hat.

Dabei muss aber auch ersichtlich sein, warum diese Mehrarbeit notwendig geworden ist. Denn im Streitfall ist der Arbeitnehmer in der Beweispflicht. In manchen Firmen wird nach einer Art Vertrauensarbeitszeit gearbeitet. Da gebe es stressigere und ruhigere Zeiten, mal arbeite man eine Stunde mehr, mal geht man eine Stunde früher. Das funktioniere dann auch ohne vertragliche Festlegung.

Solange Überstunden zeitnah auch wieder ausgeglichen werden und man damit zufrieden ist, besteht auch keine Notwendigkeit, etwas dagegen zu unternehmen. Erst wenn man merkt, dass es keinen Ausgleich gibt, raten die Arbeitsrechtler, das Gespräch mit dem Chef zu suchen – nicht ohne vorher noch einmal in den Arbeitsvertrag geschaut zu haben, in dem eben auch eine gewisse Anzahl an Überstunden vereinbart sein kann.

Nicht jeder Vorgesetzte bekommt überhaupt mit, was und wie viel jeder einzelne Mitarbeiter leistet. Auch kann es ratsam sein, sich mit anderen Kollegen auszutauschen, Solidarität zu entwickeln und den Betriebsrat zu fragen.