Im Herbst diesen Jahres hat die Bundesregierung einen Gesetzentwurf zur Lohngerechtigkeit in Deutschland auf den Weg gebracht. Bis das fertige Gesetz in Kraft tritt, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Was damit bewirkt werden kann, ist noch nicht ganz klar. Viele Kritiker halten die ganze Diskussion in diesem Zusammenhang für überflüssig und sprechen von reiner Symbolpolitik.

Dass die Thematik durchaus große Relevanz besitzt, zeigen allerdings Fakten vom Markt. Immer noch verdienen Frauen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer. Auch wenn man heraus rechnet, dass sie häufiger in Teilzeit arbeiten, seltener in Führungspositionen aufsteigen oder eher in Berufen mit geringen Verdiensten tätig sind, verbleibt immer noch eine Lücke von durchschnittlich sieben Prozent. Im europäischen Vergleich sind wir inzwischen Schlusslicht, trotz allgemein und auch gesetzlich propagierter Diskriminierungsfreiheit.

Da passt ein Gerichtsprozess, der aktuell am Berliner Arbeitsgericht anhängig ist, bestens ins Bild. Dort klagt eine Frontal 21-Journalistin, weil sie brutto weniger verdient als ihr inzwischen ausgeschiedener Kollege netto ausbezahlt bekam. Nur beiläufig war dort das krasse Missverhältnis zur Sprache gekommen. Dass solche Geschlechterunterschiede gerade im Team eines investigativen Politik-Magazins auftauchen, was sonst selbst mit der Aufdeckung von Missständen in der Gesellschaft beschäftigt ist, das gibt dem Sachverhalt eine besondere Ironie.

Nachdem sich die Journalistin mehrere Jahre lang vergeblich um eine gütliche Einigung mit ihrem Arbeitgeber bemüht hatte, entschied sie sich nun zur Klage. In seiner Klageschrift stützt sich der sie vertretende Anwalt neben dem Antidiskriminierungsgesetz vor allem auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes. Diese ist thematisch hier schon deutlich moderner und dort gilt der anerkannte Grundsatz: Fühlt sich ein Mitarbeiter ungerecht behandelt, ist ein sogenannter Job-to-Job-Vergleich vorzunehmen. Dabei müssen die reinen Tätigkeiten verglichen werden, die zwei Mitarbeiter ausführen. Sind sie exakt dieselben, muss die Entlohnung auch gleich sein.

Der Richter am Berliner Arbeitsgericht ließ sich allerdings von dieser Argumentation nur wenig beeindrucken. Er verwies auf die Vertragsfreiheit, die es den Unternehmen grundsätzlich gestattet, mit ihren Mitarbeitern individuelle Verträge zu schließen. Dabei könnten nach seiner Auffassung womöglich die Männer einfach besser verhandeln. Auch drohende Schwangerschaften wären nach seiner Ansicht ein Argument, dass bei vielen Unternehmen die Gehaltsverhandlungen mit Frauen beeinflusst.

Der Anwalt der Klägerin und die Prozessbeobachter folgten den Ausführungen des Gerichts überwiegend fassungslos. Diese von vornherein geringen Erfolgsaussichten sind es, die derartige Klagen zur absoluten Seltenheit machen. Das Gericht hatte wenig Einsicht, daran etwas zu ändern. 

Der Anwalt des ZDF strebt ohnehin nur einen Vergleich an. Im Gegenzug soll die klagende Journalistin die Redaktion verlassen. Lehnt sie den Vergleich ab, ergeht am 1. Februar 2017 ein Urteil in dieser Streitsache.