Die Berliner Stadtreinigung BSR wird von einer Frau gemanagt und das schon zum wiederholten Male. Vorbildlich, könnte man meinen. Sind doch die Rufe nach mehr Frauen in Führungspositionen oft nicht wirklich ernst gemeint. Gleichberechtigung ist eben noch immer ein steiniger Weg. Doch auch bei der BSR in Berlin ist das Thema nicht komplett verstanden worden. Denn eine Frau auf Tagestour mit der Müllabfuhr wurde in der Metropole noch nie gesichtet. Das ist auch volle Absicht, so zumindest die Darstellung seitens des Unternehmens. Frauen seien für diesen Job nicht geeignet.

Dass diese Ausrede in Zeiten moderner Technik einfach daneben ist, das zeigen Beispiele aus anderen Regionen. In Bremen, Würzburg, Düsseldorf, Frankfurt, München und auch in Hamburg hat man auch dieses Tabu längst gebrochen. Dort gehen auch Frauen mit auf die tägliche Tour und leeren die schweren Haushaltstonnen mit dem Müll. Dass der Job anstrengend ist und ein hohes Maß an Fitness voraussetzt, das bestreitet auch dort niemand. Deshalb kommt natürlich nicht jeder männliche Bewerber dafür in Frage, ebenso wenig wie jede Frau. Doch die Jobs in der Müllabfuhr sind begehrt, wegen des wohl nie endenden Arbeitsaufkommens und wegen der nicht gerade schlechten Bezahlung. Warum sollen in Berlin Frauen von diesen Chancen ausgenommen bleiben?

Heute ist jeder Betrieb verpflichtet, Arbeitsschutzrichtlinien zwingend zu beachten. Diese gelten natürlich für beide Geschlechter. Technische Neuerungen und moderne Fahrzeuge haben auch längst in den Entsorgungsbetrieben Einzug gehalten. Schmutz und flotte Kollegensprüche haben Frauen auch schon in anderen Berufen geschultert. Vernünftige Gründe, in heutiger Zeit die Müllabfuhr weiter als Männerdomäne zu verteidigen, gibt es also keine mehr. Auch die BSR, der größte kommunale Entsorgungsbetrieb Deutschlands, muss hier schnellstens mit der Zeit gehen. Ein sogenanntes Vorzeige-Unternehmen, als solches sieht sich die BSR bisher, bleibt man immer nur so lange, wie es auch etwas vorzuzeigen gibt. Das könnten in naher Zukunft auch Müll-Frauen auf Tour sein.