Viele sind daran auch interessiert: Man spart sich den Arbeitsweg, ist zeitlich flexibler und kann so vielleicht auch Familie und Job besser unter einen Hut bringen. Andere aber fühlen sich zu Hause abgelenkt oder arbeiten besser mit den Kollegen im Team.

Da stellt sich die Frage, ob Arbeitnehmer es hinnehmen müssen, wenn ihr Chef Homeoffice anordnet, obwohl man das gar nicht will. In der Gewerbeordnung Paragraf 106 steht, dass es im Ermessen des Arbeitgebers liegt, über die Arbeitsleistung zu bestimmen. Zumindest im gesetzlichen und arbeitsvertraglichen Rahmen. Sowohl was den Inhalt und die Zeit betrifft, als auch den Ort, wo die Arbeitsleistung erbracht wird.

Auf den ersten Blick sieht es also aus, als müsse ein Arbeitnehmer akzeptieren, wenn sein Chef ihn anweist, seinen Job in Zukunft im Homeoffice zu erledigen. Aber: Diesem Eindruck widerspricht nun das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg in einem Urteil (Az. 17 Sa 562/18). Darin heißt es: „Der Arbeitgeber ist nicht allein aufgrund seines arbeitsvertraglichen Weisungsrechts berechtigt, dem Arbeitnehmer Telearbeit zuzuweisen.”

Nur wenn im Arbeitsvertrag, einer Tarif- oder Betriebsvereinbarung auch die Anordnung von Homeoffice vorgesehen ist, muss der Arbeitnehmer dem Folge leisten. Fehlt eine solche Regelung oder steht – wie im verhandelten Fall – die Beschäftigung in einer Betriebsstätte im Vertrag, kann eine Versetzung nicht einseitig in Telearbeit erfolgen.

Eine Kündigung, die dann aufgrund der Weigerung im Homeoffice zu arbeiten erfolgt, ist unwirksam, entschieden die Richter. Die Aufforderung, im Homeoffice weiterzuarbeiten, kann ohne entsprechende arbeitsvertragliche Regelung nicht mit einer Versetzung innerhalb der Firma gleichgesetzt werden: Schließlich seien die Umstände, wie die Tätigkeit ausgeübt wird, nicht zu vergleichen.

Zudem verschwimmen durch Homeoffice-Jobs die Grenzen von Arbeit und Freizeit, urteilt das Gericht.