Die rechtliche Lage ist klar definiert

Die E-Zigarette kann aus zwei Perspektiven betrachtet werden. Befürworter argumentieren damit, dass keine Verbrennung von Giftstoffen erfolgt und keine schlechten Gerüche entstehen. Kritiker halten dagegen, dass dennoch Nikotin in den meisten Liquids enthalten ist und deswegen der Tatbestand des Passivrauchens erfüllt ist.

Beide Meinungen sind nicht per se falsch. Und das sorgt am Arbeitsplatz nicht selten für Klärungsbedarf. Nämlich dann, wenn der geneigte Dampfer ohne böse Absichten zur E-Zigarette greift und die Arbeitskollegen nicht damit einverstanden sind. Rechtlich gesehen verhält es sich schwieriger als bei der herkömmlichen Zigarette: Diese ist nämlich längst am Arbeitsplatz verboten, während die E-Zigarette explizit nicht unter das Rauchverbot fällt.

Darf der Arbeitgeber E-Zigaretten verbieten?

Vor dem Gesetz ist die E-Zigarette am Arbeitsplatz folglich nicht verboten. Auf einem anderen Blatt steht jedoch das freie Bestimmungsrecht des Arbeitgebers – zumindest vermeintlich. Arbeitgeber, die die Nutzung der gängigen E-Zigaretten kategorisch verbieten, berufen sich auf ihre Hoheitsposition, befinden sich damit jedoch nicht im Recht. Denn: So lange keine betrieblichen Belange berührt sind, darf der Arbeitgeber seinen Angestellten nicht das Dampfen verbieten. Dies deckt sich mit einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster im November 2014, laut der in nordrhein-westfälischen Gaststätten das Dampfen nicht verboten werden darf.

Die Kernaussage ist also eindeutig: Da das Dampfen (nach heutigen Erkenntnissen) seine Mitmenschen nicht passiv schädigt, gibt es keinen Grund und keine Berechtigung, es an Orten, wie dem Arbeitsplatz, zu verbieten. In speziellen Situationen wie im direkten Kundenkontakt gilt das jedoch nicht – die Prämisse ist stets, dass die betrieblichen Belange nicht durch die E-Zigarette gestört werden.

Wie sieht es in der Praxis aus?

Wie dieses Thema in der Praxis gehandhabt wird, ist ganz unterschiedlich. Schließlich steht ein friedliches Betriebsklima an erster Stelle und alle Beteiligten sind angehalten, dazu beizutragen. In Härtefällen ist deswegen das Fingerspitzengefühl von Führungskräften gefragt, eine Lösung zu finden, mit der alle Betroffenen leben können, auch wenn das nicht immer möglich ist.