Und beinahe jeder Zweite befürchtet sogar, deshalb in einen Burn-out zu geraten. Das sind die Ergebnisse einer aktuellen, repräsentativen Ipsos-Umfrage im Auftrag der Allianz zur psychischen Belastung der Deutschen am Arbeitsplatz. Ein sehr interessantes Ergebnis der Studie: Die meisten deutschen Arbeitnehmer sehen bei psychischer Überforderung das Verursacherprinzip. 77 Prozent erwarten vom Arbeitgeber, dass er sie bei psychischen Problemen im Zusammenhang mit dem Job unterstützt. Ganz nach dem Motto: Wer viel fordert, soll bei Überforderung auch helfen.

Mitarbeiter sind größeren Belastungen ausgesetzt als früher

„Arbeitgeber müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Mitarbeiter heute stärker psychischen Belastungen ausgesetzt sind als noch vor 20 Jahren. Die Unsicherheiten sind größer – im Job wie im Privatleben”, erklärt auch Ärztin und Psychotherapeutin Dr. med. Nilufar Heydari. Wer dies als Chef im Hinterkopf habe, trage schon viel zur Gesundheit im Betrieb bei. Dabei könne er zwar nicht den Einzelfall lösen, aber den Mitarbeitern Hilfsangebote machen. In der betrieblichen Krankenversicherung (bKV) der Allianz beispielsweise gibt es dazu einen Tarifbaustein „VorsorgeExtra”. Diese Versicherung übernimmt bei starkem beruflichen Stress, Ängsten oder Erschöpfungszuständen, aber auch bei privaten Problemen einmal pro Jahr die Kosten für ein dreimonatiges, vertrauliches telefonisches Coaching durch einen Spezialisten.

Telefonische Betreuung erwünscht

Wenn es um konkrete Hilfen geht, sehen Arbeitnehmer im Übrigen bei Stress im Job einen Psychologen nur bedingt als Anlaufstelle. 57 Prozent können sich der Umfrage zufolge nicht vorstellen, einen persönlichen Termin zu vereinbaren. Deutlich niedriger ist die Hemmschwelle bei einer psychologischen Telefonbetreuung: 68 Prozent halten ein solches Angebot für hilfreich.

Ältere kompensieren Druck durch Erfahrung

Während sich 54 Prozent der 18- bis 35-jährigen schon einmal sorgten, in einen Burn-out zu geraten, fürchteten dies bei den Älteren von 56-65 Jahren „nur” 44 Prozent. Logische Konsequenz: 56 Prozent der Jüngeren spielten bereits mit dem Gedanken, die Arbeitszeit zu reduzieren oder den Arbeitgeber zu wechseln. Bei den Älteren trifft dies nur auf 39 Prozent zu. Auch das ergab die Ispsos-Umfrage im Auftrag der Allianz. Ältere können demnach im Beruf Stress oft durch Erfahrung und eine gewisse Routine kompensieren.