Um Ausreden sind die meisten Betroffenen dann nicht verlegen: Der eine musste einer Oma über die Straße helfen, ein anderer musste mit einem Stromausfall kämpfen und ein Dritter hat einfach verschlafen.

Pünktlichkeit ist Arbeitspflicht

Einen Beschäftigten trifft die arbeitsvertragliche Nebenpflicht, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen. Denn das Zuspätkommen kann nicht nur auf die Arbeit der Kollegen Einfluss haben, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Schaden für den Arbeitgeber führen. Des Weiteren kann die Arbeitsmoral im Betrieb unter der Unpünktlichkeit von einzelnen Mitarbeitern leiden. Letztendlich wird so der Eindruck vermittelt, man habe kein Interesse an der übertragenen Arbeit, dem Wohlergehen der Firma und/oder einem guten Verhältnis zu den Kollegen. Im schlimmsten Fall werden andere Beschäftigte animiert, eben- falls später als erlaubt zur Arbeit zu erscheinen. Kurz: Die nötige Arbeitsmoral wird beim Zuspätkommer vermisst.

Zuspätkommer riskieren Job

Bevor der Arbeitgeber aber verhaltensbedingt kündigen darf, muss er den notorisch Unpünktlichen abmahnen. Das sollte aus Beweiszwecken schriftlich geschehen. Die Abmahnung sollte außerdem beschreiben, auf welches Fehlverhalten – unter Angabe von Tag, Uhrzeit und Dauer der Verspätung – sie gestützt wird und dass im Wiederholungsfall mit einer Kündigung zu rechnen ist. Wenn der Angestellte danach erneut zu spät kommt, ist eine (fristlose) Kündigung zulässig. Wird aber trotz wiederholter Unpünktlichkeit nur mehrmalig eine „letzte Abmahnung“ ausgesprochen, ist die „plötzlich“ folgende Kündigung unverhältnismäßig. Laut dem Landesarbeitsgericht (LAG) Rheinland-Pfalz musste der Arbeitnehmer nämlich nicht mehr damit rechnen, noch gekündigt zu werden.

Kein Verschulden, keine Abmahnung

Konnte der Mitarbeiter eine Verspätung nicht vermeiden, hat er sie also nicht verschuldet, darf der Arbeitgeber nicht abmahnen. War der Beschäftigte beispielsweise in einen Unfall verwickelt oder hat er nach einem Verkehrsunfall Erste Hilfe geleistet, ist eine Abmahnung ungerechtfertigt und muss aus der Personalakte entfernt werden. Allerdings ist ein Stau, eine Naturkatastrophe, ein Streik bei den Verkehrsmitteln oder das Nicht-funktionieren des Autos kein Grund für verspätetes Erscheinen am Arbeitsplatz. Denn den Beschäftigten trifft das sogenannte Wegerisiko. Daher muss er dafür sorgen, dass er rechtzeitig zur Arbeit kommt. Er muss somit früh genug losfahren, wenn auf seinem Arbeitsweg regelmäßig mit Berufsverkehr zu rechnen ist oder bereits am Abend die Funktionsfähigkeit des Kfz überprüfen. Ein unerwarteter Stau – etwa wegen eines Unfalls – können eine Verspätung dagegen rechtfertigen.